Apple setzt verstärkt auf Premium-Spiele im App Store
Apple will den App Store stärker als Plattform für hochwertige, kostenpflichtige Spiele etablieren. Nach Angaben von Carson Oliver, dem weltweit für den App Store zuständigen Manager bei Apple, erscheinen 2026 mehr Premium-Spiele für iPhone und iPad als im Vorjahr. Dazu zählen nicht nur Produktionen unabhängiger Entwicklerstudios, sondern zunehmend auch bekannte Spielemarken vom PC und von Konsolen.
- 2026 erscheinen laut Apple mehr Premium-Spiele im App Store als 2025.
- Neben Indie-Spielen kommen zunehmend PC- und Konsolentitel auf iPhone und iPad.
- Apple Arcade und klassische Einzelkäufe sollen parallel bestehen.
- Neue App-Store-Funktionen sollen unabhängige Entwickler sichtbarer machen.
- Portierungswerkzeuge sollen die Anpassung bestehender Spiele erleichtern.
In einem Interview mit Polygon erklärte Oliver, dass Apple insbesondere bei Spielen mit einem klassischen Kaufmodell ein deutliches Wachstum beobachte. Der Markt für aufwendigere Mobile-Games entwickle sich weiter, wobei das Unternehmen sowohl unabhängige Entwickler als auch größere Studios erreichen wolle.
Premium-Spiele gewinnen auf iPhone und iPad an Bedeutung
Als Beispiele für erfolgreiche Spiele auf Apples Mobilgeräten nannte Oliver unter anderem Balatro, Stardew Valley, Slay the Spire und Bloons TD 6. Besonders gut würden sich derzeit gemütliche Spiele, Wirtschaftssimulationen und sogenannte Roguelikes entwickeln.
Roguelikes sind Spiele, bei denen sich Spielabschnitte häufig verändern und ein Scheitern meist einen neuen Durchlauf bedeutet. Oft werden Level, Gegner oder Gegenstände zufällig zusammengestellt. Dadurch verläuft jede Runde etwas anders. Verwandte Spiele, sogenannte Roguelites, erlauben häufig dauerhafte Verbesserungen, die auch nach einem verlorenen Durchlauf erhalten bleiben.
Oliver sieht einen wesentlichen Grund für diese Entwicklung in den veränderten Spielgewohnheiten. Für eine ganze Generation sei das iPhone das erste Gerät gewesen, auf dem sie Videospiele gespielt habe. Anders als klassische PC- und Konsolenspieler seien diese Nutzer von Anfang an an die Bedienung über einen Touchscreen gewöhnt.
Daraus ergeben sich laut Apple neue Möglichkeiten für Entwickler, die ihre Spiele gezielt auf die direkte Steuerung per Berührung auslegen. Vor allem kleinere Studios könnten davon profitieren, da sie ihre Spielkonzepte nicht zwingend an traditionelle Controller oder Tastaturen anpassen müssten.
Apple Arcade und Einzelkäufe sollen nebeneinander bestehen
Auch das Verhältnis zwischen klassischen Premium-Spielen und Apple Arcade war Thema des Interviews. Apple sieht die beiden Vertriebsmodelle nicht als Gegensätze, sondern als unterschiedliche Möglichkeiten für Entwickler.
Ein Spiel könne sowohl als kostenpflichtiger Download im App Store angeboten werden als auch Bestandteil des Spieleabonnements Apple Arcade sein. Oliver verwies dabei auf Balatro, das auf beiden Wegen verfügbar ist.
Entwickler sollen nach Angaben des Managers selbst entscheiden können, welches Geschäftsmodell am besten zu ihrem jeweiligen Spiel passt. Apple möchte damit sowohl den Einzelverkauf als auch das Abonnement unterstützen.
Mehr Sichtbarkeit für unabhängige Entwickler
Passend zu dieser Strategie hatte Apple zuletzt im Rahmen seiner Indie Games Week mehrere neue und kommende Spiele für iPhone und iPad hervorgehoben. Dazu gehören Sifu, Vampire Crawlers, No Man’s Sky und Little Kitty, Big City.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Auffindbarkeit kleinerer Produktionen. Oliver verwies auf die redaktionellen Empfehlungen im App Store, mit denen Apple auch Spielen unabhängiger Studios zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen möchte.
Hinzu kommt die neue Funktion Creative Assets. Sie ermöglicht es Entwicklern, ausgewählte Grafiken ihrer Spiele in den Suchergebnissen und im oberen Bereich der jeweiligen App-Store-Produktseite zu präsentieren. Dadurch sollen sie die Darstellung ihrer Titel stärker selbst gestalten können.
Apple erleichtert die Portierung von PC- und Konsolenspielen
Neben speziell für Touchscreens entwickelten Spielen möchte Apple auch mehr bestehende PC- und Konsolentitel auf seine Plattformen bringen.
Dafür verweist Oliver auf Technologien wie das Game Porting Toolkit 4, MetalFX und die quelloffenen Unity-Plug-ins des Unternehmens. Diese Werkzeuge sollen den technischen Aufwand und die Kosten bei der Anpassung bestehender Spiele an Apple-Geräte reduzieren.
Insbesondere die Übertragung bereits veröffentlichter Spiele könnte dadurch für Entwickler wirtschaftlich attraktiver werden. Konkrete Zahlen zum Wachstum des Premium-Segments oder neue Verkaufsstatistiken nannte Oliver allerdings nicht.
Apple versucht, iPhone und iPad stärker als Plattformen für vollwertige Spiele zu positionieren. Dass neben Free-to-Play-Angeboten auch klassische Kaufspiele erfolgreich sein können, zeigen Titel wie Balatro und Stardew Valley. Für Entwickler ist besonders interessant, dass Apple Einzelkäufe und Apple Arcade parallel unterstützt. Allerdings fehlen konkrete Verkaufszahlen, um das von Apple beschriebene Wachstum einzuordnen. Entscheidend wird sein, ob künftig regelmäßig größere PC- und Konsolenspiele für Apples Mobilgeräte erscheinen und dort auch genügend Käufer finden.









